50 Jahre Legehennenzucht & Veterinär-Labor – riesige Beteiligung bei der 47. Vermehrertagung der Lohmann Tierzucht GmbH
21.10.09
Nach der Begrüßung durch Dr. Finck und der Grußworte von Dirk Wesjohann, EW Group, wurde das Fachprogramm durch Prof. Flock mit einem Rückblick auf 50 Jahre Legehennenzucht eröffnet. Prof. Flock hat auf die Meilensteine, die Lohmann Tierzucht gesetzt hat, hingewiesen. Ohne diese Forschungsschwerpunkte, die z. B. zu federsexbaren LSL, die Einführung leistungsfähiger Braunleger sowie das Patent zur Selektion gegen den fischigen Geruch von Eiern aufgrund des TMA-Syndroms geführt haben, hätte die Lohmann Tierzucht nicht die Bedeutung auf dem internationalen Markt, den sie als Marktführer heute hat.
Den aktuellen Stand und einen Ausblick auf die Zukunft der Legehennenzucht erläuterte Prof. Preisinger. Ausgehend von veränderten Rahmenbedingungen wie starkes Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern und der steigenden Bedeutung des Tierschutzes in den Industrieländern, besteht die Strategie zur Rentabilitätssteigerung in der züchterischen Bearbeitung der Schlüsselmerkmale. Diese sind neben der Legeleistung und der Schalenstabilität auch die genomische Selektion auf Gendefekte. Als Perspektiven nannte Prof. Preisinger realitätsnahe Ziele wie kontinuierliche Steigerung in jeder Generation von Persistenz in der Legerate, Eiqualität, Futtereffizienz, Tiergesundheit sowie das Tierverhalten (Tierschutz / Systemtauglichkeit).
Das letzte Referat des ersten Tages der Vermehrertagung führte die Zuhörer in die Welt des Sports. Martin Kind, Präsident des Fußballvereins Hannover 96, zeigte den Teilnehmern, wie aus einem Verein der dritten Liga mit einer schwierigen finanziellen Situation ein florierendes Wirtschaftsunternehmen werden kann. Erfolgsfaktor ist die Überführung von der Vereinsstruktur hinein in eine KGaA, eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. Die schlankeren Entscheidungsstrukturen eines Wirtschaftsunternehmens und die erfolgreiche Suche nach Sponsoren führte Hannover 96 schließlich in die Bundesliga und ermöglichte den Kauf und den Umbau des Niedersachsenstadions, die heutige AWD-Arena.
Ein besonders praxisorientiertes Thema behandelte Robert Pottgüter mit seinem Vortrag über zukünftige Strategien in der Fütterung von Legehennen. Ziel muss die bedarfsgerechte und optimale Ernährung unter bester Kosteneffizienz sein – das ist die primäre Herausforderung an jeden Tierernährer. Es führt zu einer näher am tatsächlichen Bedarf orientierten Ernährung der Hennen, unterstützt eine stabile Verdauung als Basis für saubere Eier und trockene Einstreu, reduziert den N-Ausstoß aus der Tierhaltung und kann – fachgerecht angewandt – zu einer Reduzierung der Fütterungskosten führen. Hierzu gehört, eigentlich selbstverständlich, auch die hygienisch einwandfreie Qualität des Futters. Futter war und ist nicht die primäre Eintragsquelle von Salmonellen in die Geflügelhaltungen, wenn die Rohstoffe sauber sind und auch in der Verarbeitung auf Hygiene geachtet wird.
Da die Tötung von männlichen Küken der Legelinien ein tierschutzrelevantes Thema ist, wird auf dem Gebiet der Geschlechtsbestimmung im Ei intensiv geforscht. PD Dr. Thomas Bartels, Universität Leipzig, hat die aktuellen Ergebnisse zu dem Thema vorgestellt. Viele mögliche Verfahren sind jedoch eher theoretischer Natur und für die Praxis aus finanziellen und technischen Aspekten in den Brütereien nicht geeignet. Allenfalls bietet nach weiteren Untersuchungen die spektroskopische Geschlechtsbestimmung ein Ausblick zur Lösung der Problematik.
Dass sich die Lohmann-Produkte überall in der Welt mit ihren herausragenden Leistungen gut behaupten, haben die Praxisreports der Kunden eindrucksvoll belegt. Hier haben Gennady V. Kotchnev, Russland, Hussein Bahri, Saudi Arabien, Musa Freiji, Ägypten, Shuji Watanabe, Japan, und Rafael Serrano U., Kolumbien, über ihre Erfahrungen und die Erfolge mit den Lohmann-Hennen berichtet.
Hauptthema der beiden folgenden Referate war die Vermarktung. Christian Endres, Endres-Ei GmbH, hat seine Marketingaktivitäten vorgestellt, mit der er seine Direktvermarktung erfolgreich betreibt. Wichtigster Aspekt zur Besetzung dieser Nische ist die klare Abgrenzung vom Discounter. Die Verkaufsförderung erfolgt durch die Regalpflege in den SB-Märkten sowie über Aktionen am POS und auf dem Hof. Weiter betreibt Endres aktive Pressearbeit und bemüht sich um die politische Unterstützung seiner Arbeit. Der präsentierte Radiospot zu den Endres Eiern brachte die Zuhörer zum Schmunzeln und zeigte wie die Medien zum Abverkauf der Produkte genutzt werden können. Nicht zuletzt ist aber auch die unternehmerische Persönlichkeit des Direktvermarkters von entscheidender Bedeutung.
Jan van Esch, Kwetters Eieren, aus den Niederlanden vermarktet mit dem Unternehmen ca. 1,3 Mrd. Eier in ganz Europa. Hauptfaktoren der erfolgreichen Tätigkeit sind für Kwetters niemals über den Preis zu verkaufen – „man muss auch mal Nein sagen können“, außerdem muss man immer die beste Qualität im Sortiment zu haben. Das Qualitätsargument ist auch den Erzeugern gegenüber zu kommunizieren. Letztlich entscheidet der Erfolg von Kwetters auch über den Erfolg der Lieferanten.
Der letzte Vortrag der Tagung beschäftigte sich mit den nötigen Erfolgsfaktoren mittelständischer Unternehmen. Zusammen mit Patrick Ulrich stellte Prof. Wolfgang Becker, beide Universität Bamberg, ausgewählte Ergebnisse ihrer Forschungstätigkeit vor. Es gilt die Spezialisierungsvorteile, Flexibilität, Mobilität und Innovationskraft als Vorteile des Mittelstands effizient zu nutzen. Hierzu gehören Kooperationen und Netzwerke sowie Standardisierungen (vor allem der Prozesse) zu realisieren, um die zunehmende Komplexität handhabbar zu machen. Wichtiger Aspekt zur Erhaltung der Liquidität ist die Erschließung neuer Finanzierungsformen. Entscheidend für das langfristige Überleben der oftmals im Familienbesitz befindlichen Betriebe ist es, die Nachfolge frühzeitig zu klären und dabei auch familienexterne Nachfolgelösungen in Betracht zu ziehen.
Den Abschluss der dreitägigen Tagung bildete ein Besuch des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrums für Geflügel in Kitzingen. Dr. Klaus Damme hat den Gästen die Forschungsschwerpunkte des Fachzentrums erläutert.
Neben den informativen Vorträgen hatte der Tagungsort Würzburg als Metropole des fränkisches Weinlandes für die Teilnehmer eine Menge zu bieten. Viele Partner der fachlich orientierten Gäste haben an dem Rahmenprogramm in Würzburg teilgenommen. Für alle Teilnehmer wurde nach den Vorträgen am ersten Abend der Veranstaltung in dem nur mit Kerzen illuminierten Staatlichen Hofkeller eine Weinprobe durchgeführt. Gerade die ausländischen Besucher zeigten sich von der Architektur des Hofkellers, Weltkulturerbe der UNESCO, besonders beeindruckt. Den Höhepunkt des Rahmenprogramms stellte am zweiten Abend eine vierstündige Fahrt auf dem Main dar. Bei einem Buffet und dem Frankenwein wurden die gehörten Vorträge diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Schließlich wurde am letzten Tag der Tagung nach dem Besuch der Versuchsanstalt ein kurzer Abstecher zum Stadtrundgang nach Rothenburg ob der Tauber unternommen.
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